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"la pintura de nuevo"
New works from Pascal Lampert and Sebastian Sieber
15th-17th May 2009
opening Friday 15th May - 7.30pm
K3 Bar
 
The show will be open Saturday 16th and Sunday 17th May
3-7pm

Neue Arbeiten von Sebastian Sieber und Pascal Lampert
K3 Project Space, Mai 2009
Als ‚Artist Run Space‘ funktioniert K3 Project Space nur bedingt unter den Vorzeichen einer kuratorischen Gesamtkontrolle. So stand diesmal zunächst die Einladung an den Zürcher Künstler Sebastian Sieber *1972, den Clare Goodwin von K3 immer mal schon präsentieren wollte. Aus der Leitlinie, in der Regel keine Einzelausstellungen zu zeigen, resultierte die Frage an den eingeladenen Künstler, wen er sich denn als Partner in der Ausstellung wünschte? Sieber wählte zielsicher seinen medialen Wahlverwandten Pascal Lampert *1972, dessen malerischer Ansatz vielschichtig ist und das ‚archaische‘ Medium der Malerei aus zeitgenössischer Warte zu befragen sucht. ‚Sampling‘ als Bildfindungs-Methode ist beiden Werken gemeinsam.

Sebastian Sieber interessiert sich für die Verschmelzung von abstrakter und gegenständlicher Malerei bzw. die Überwindung dieses stereotypen Gegensatzes. Die Entdeckungsreise auf unsicheres Terrain erfordert vom Betrachter anspruchsvolle Seharbeit, jenseits einer vordergründigen Gefälligkeit. Sieber geht zuweilen vom zufällig in seinem Malatelier Vorgefundenen aus, beispielsweise indem er Staubfusel im laufenden Malprozess nicht nur integriert, sondern, gleichsam ohne die Leinwand fertig zu malen, zum Hauptmotiv eines Bildes macht. Ein überraschendes und bildwitziges Moment, wie es typisch für den Künstler ist. So auch wenn er in einem kleinformatigen Bild Farbtupfer durch Akzentsetzung und teils gezielte figurative Formgewinnung zum Bild der ‚Kleinfamilie’ entwickelt. Darin - erst auf den zweiten Blick – deutlich in Miniaturporträts erkennbar die Mitglieder der Familie seines Bruders neben im Ungegenständlichen verbleibenden, bunten Farbtupfern. Ständig pendelt beim Betrachter die Wahrnehmung zwischen Auflösung und Dingwerdung und erfordert aktives, synthetisches Sehen. Eine malerische Forschungsarbeit entlang von Grenzen, auch ganz wörtlich als Bildgrenzen verstanden: Dazu tragen die bewusst nicht rechtwinklig gespannten Leinwände bei: Das Resultat ist eine Irritation des Blicks, welche aus der Verletzung Jahrhunderte alter Bild-Lesegewohnheit resultiert. Sieber verfolgt verschiedene Ansätze in zyklisch wiederkehrenden Facetten, so dass in Variationen verschiedene motivische Bezüge unverhofft wiederkehren.

Pascal Lamperts beruflicher Werdegang und das Wissen über die noch nicht lange zurückliegende Zeit seines Verzichts auf Malerei ermöglichen eine aufschlussreiche Annäherung an die neuen Arbeiten: Nach Jahren der professionellen Theatermalerei, die er als Beruf erlernt hat und in einer Zeit des Naturalismustrends in zahlreichen grossformatigen Bühnenbildern ausübte, hatte er zunächst schlicht genug. Es folgten Experimente mit skulpturalen Ansätzen, die von seiner Faszination für Architektur aber auch für Postkarten, namentlich mit kunsthistorischen Motiven geprägt waren. Sonderbare auf appenzeller Volks-Brauchtum basierende‚ Gstältli‘ und eigenartige Bidschubkarren entstanden, mittels derer er Alpaufzüge aber auch Stadtspaziergänge von ‚fahrenden‘ Bildern unternahm. Dennoch fand er ab 2008 allmählich auch zur Tafel-Malerei zurück, die ihn als Medium nicht loslässt. Als Versatzstücke seiner Bilder kopiert er kunsthistorische Postkarten, die von ungegenständlicher Malerei umwuchert werden. Vom Frühromantiker Caspar Wolf über Lucas Cranch d. Ae. mit Judith und Holofernes bis hin zu Robert Gobers Plastiken reicht die Auseinandersetzung mit der Kunstgeschichte, grosse Helgen klein zitiert – Adaption, Illusion, Collage und Sampling. In einem anderen Bild taucht Rachel Whitereads Arbeit für eine Ausstellung in Bregenz auf und wird kurzum kombiniert mit einem selbst geschossenen Foto, das abgemalt wird. Die Überlagerung verschiedener Bildquellen und –motive generiert neue Facetten der Malerei – Bilder im Bild.

Sandi Paucic

 
K3 Report 21.4.2009
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