Corb.N. Egru
Corb N. Egru hielt sich 2006 erstmals länger in der Schweiz auf, wo sie im Cafe des Cabaret Voltaire zufälligerweise dem Künstler Rolf Graf begegnete. Dieser blätterte gerade im Venedig-Biennalekatalog von 1976, den er sich zuvor in der Zentralbibliothek ausgeliehen hatte. Das Gespräch zwischen den beiden entspann sich in der Folge um die für Egru überraschende Tatsache, dass die Schweiz 1976 ihren Pavillon mit Arbeiten von Kunststudierenden bespielte - dies im Übrigen in jenem Biennalejahr in dem etwa Beuys seine vielbeachtete Strassenbahnhaltestellte präsentiert hatte. Im Mittelpunkt der damals gezeigten Schweizer Beiträge standen – durchaus zeittypisch – Selbstbefragungen und experimentelle Anordnungen, deren Betonung des Prozesses das Interesse an einem vollendeten Kunstwerk stets überwog.
Auf Corb N. Egru, deren Lebensumstände als Künstlerin stets auch von rein wirtschaftlichem Überlebenskampf bestimmt sind, wirkte die Vorstellung, dass bereits Studierende an einer der weltweit wichtigsten Ausstellungen teilnehmen könnten, irritierend, aber auch inspirierend. Egru machte sich an die Recherchearbeit über die - in ihrem eigenen Geburtsjahr 1976! - entstandene junge Schweizer Kunst, spürte einige der damaligen Beiträge auf und setzte sich mit deren Positionen auseinander. Sie wurden zum Ausgangspunkt für eine Gruppe eigener, neuer Werke. Die disparate Qualität der studentischen Arbeiten – zwischen jugendlicher Frische und noch nicht ausformulierter eigenständiger Kunstsprache – werden in einem ironischen Sampling ästhetisch angeeignet und in den Themen paraphrasiert. Aus dem rumänischen Siebenbürgen stammend und muttersprachig deutsch aufgewachsen, bezog sie dabei während ihres letzten Schweizer Aufenthalts wiederum mehrere heutige Kunststudierende in ihre Arbeit mit ein.
Das Resultat dieses Prozesses ist eine „Mistura Sbalorditiva“, die den damaligen Verhältnissen in manchen Bereichen womöglich nahekommt – in anderen womöglich nicht. Womöglich ist das gut so!
20.6.2009,
sp
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