Home is so remote
Kuratiert von Andreas Vogel und Sandi Paucic Vernissage 28. März 2009
Home is so remote Thomas Isler und Ito Joyoatmojo Kuratiert von Andreas Vogel und Sandi Paucic Vernissage 28. März 2009
„Wo ist zu Hause, Mama?“, sang vor genau 50 Jahren Johnny Cash in einem seiner – zum Glück nur wenigen - auf klapprigem Deutsch gesungenen Lieder. Dabei ist die Frage nach dem Zuhause genauso so alt wie die Möglichkeit, es zu verlassen. Was heute aber oft auf die Herausforderung nach der Verortung in grenzüberschreitenden weitgespannten geografischen Netzwerken reduziert wird, bleibt im Kern die elementare Frage nach Herkunft und Zugehörigkeit.
K3-Projekt Space zeigt zwei Züricher Künstler, Thomas Isler (* 1967 in Basel) und Ito Joyoatmojo (*1958 in Jakarta/ Indonesien), in deren Arbeit die Frage nach Heimat und Zuhause auf ganz unterschiedliche Art thematisiert wird, ohne unbedingt in deren Mittelpunkt zu stehen.
Thomas Islers neuste Filmarbeit „ Two Faces, One Story “ befragt als Rauminstallation zwei Männer in Parallelmontage. Der eine, ein amerikanischer Vietnamveteran, hofft das Trauma seiner Jugend zu verarbeiten, indem er heute in Ho Chi Minh City, und damit just in dem Land lebt, in dem er einst als Soldat zum Einsatz kam. Sein Bericht gleicht einer Lebensbeichte, die Wahl des Lebensortes erscheint als regelrechte Busse eines ewig Fremden. Der andere, ein Vietnamese, der als Flüchtlingskind desselben Krieges in die USA kam, hat sich trotz seiner scheinbar schlechteren Startbedingungen viel stärker assimiliert, hat seine Lebensgeschichte in der neuen Heimat integriert und seine Entwurzelung auch als Chance wahrgenommen. Indem Thomas Isler die quasi vertauschten Leben der beiden gegeneinander gestellt und geschnitten hat, vermischen sie sich zu einer ganz grundlegenden Darstellung des weit über die gezeigten Personen hinausreichenden Versuchs, das eigene Ich in der Fremde zu verorten.
Ito Joyoatmojo, ein gebürtiger Indonesier, der seit 20 Jahren in Zürich lebt und arbeitet, würde wohl seinerseits bereits eine Variante der Geschichte des Neuverortens abgeben. In Indonesien ein gefragter Künstler, ist seine Arbeit in der Schweiz praktisch unbekannt. Seine Arbeit zeigt nicht zufällig Ausschnitte dieser beiden Lebenswelten. Grossformatige hyperrealistische Malereien von Gräsern und Wiesen bilden dabei den Unterschied zwischen Indonesien und der Schweiz im Makrobereich ab – ein Unterschied, der er sich in der Flora ebenso zeigt, wie in den jeweiligen ortspezifischen Lichtverhältnissen. Die totale Annäherung findet im scheinbar Nebensächlichen statt. Fast schon paradox erscheint bei dieser Anbindung seiner Closeup-Malereien an den Entstehungsort das angewendete Verfahren: Ausgangsfotografien zerlegt Ito in Cyan, Magenta und Gelb und addiert die separierten Farbräume in subtraktiver Farbmischung Schicht für Schicht auf der Leinwand. Die Malerei als technisches Verfahren mag so gar nicht zum scheinbaren Idyll des Dargestellten passen, lösst sie doch den Ort auratisch eigentlich auf.
Im Zusammenspiel der beiden Positionen verlagert sich die Frage nach dem WO bald einmal zu einer nach dem WIE. Das wusste schon Johnny Cashs Mutter. „Oben bei den hellen Sternen“ liegt im eingangs erwähnten Song das Zuhause. Aber nur vielleicht, Cashs Mama kannte das WO eben auch nicht so genau. Nur das WIE ist im Lied sicher: „Der Weg dorthin ist sicher weit!“.
15.4.2009,
sp
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